Köln (D) 16 August 2007
review by Sandy  

Die Geschichte eines dramatischen Abends im August oder
Eine subjektive Auswertung des WOVEN HAND-Konzertes in Köln


PROLOG

Das letzte Woven-Hand-Konzert, das ich sah, liegt genau genommen eine Ewigkeit zurück: es war am 28.11.2006 in Bielefeld. Deshalb wollte ich ihnen eigentlich am 27.05.07 in Beverungen wieder huldigen, wurde aber unglücklicherweise krank.
Ich hoffte also auf den Spätsommer/Herbst und eine Show in meiner Nähe – H, HH, HB oder so, denn EIN WH-Konzert im Jahr MUSS einfach sein.


UND SO BEGAB ES SICH...

...dass ich am 05.08.07 an meinem Rechner saß und einen mittelschweren Schreck bekam, als ich sah, dass die wahre beste Band der Welt VORGESTERN in der Nähe war! In Hamburg!!
Und wo war ich?
ZU HAUSE!!
Der Schreck war nur deswegen mittelgroß, weil ich weitere Termine in Deutschland entdeckte; davon war allerdings nur Köln einigermaßen gut für mich erreichbar.
Der Entschluss war recht fix gefasst: je nach Staumeldungen und Intensität meines Arbeitstages würde ich am 16.08.07 also nach Köln sausen und ein tolles Konzert erleben (ich hab bisher noch keine Show dieser grandiosen Musiker gesehen, die mich nicht begeistert hätte – daher galt das als eine Voraussetzung :-) ).

Ohne Ticket und ohne die leiseste Ahnung, wann genau der Event beginnen sollte (ich hoffte auf 21-21.30 Uhr) startete ich also abends gen Köln und brauchte doch tatsächlich eine Stunde weniger als geplant. :-)


DIE SCHWACHSTELLE DES PLANS

Als schwacher Punkt erwies sich an diesem Abend meine Wegbeschreibung. Es gibt nämlich zwei >Mühlheimer Straßen< in Köln und dummerweise hatte ich nur Anweisungen, die mich zur falschen brachten. Zwischen mir und meinem Ziel lagen dann plötzlich zwei Stadtteile. Grrrrg...Es war halb9 und noch fuhr ich frohen Mutes durch die Stadt...ich schätze, ich kenne nun sämtliche Aral- und Shell-Tankstellen zwischen Köln-Porz und K.-Deutz.
Nachdem ich die Orientierung komplett verloren hatte und auch nicht mehr ganz so gut gelaunt war, stand ich plötzlich in der gesuchten Straße...
...fix noch einen Parkplatz gesucht...
...UND ES WAR SCHON HALB10!...
...als ich endlich Gebäude 9 erreichte.
Dort gab es schon laute Musik und ich fürchtete das Schlimmste.

Hört sich an wie...aber die spielen doch nicht wohl...???...klingt etwas wie Harm’s Way...

Die Melodie gehörte eindeutig nicht Winter Shaker, aber damit hatten sie doch die letzten  Konzerte, die ich erlebt hatte, begonnen, weshalb ich erwartete, es jetzt auch als ersten Titel zu hören, denn es ist ja ein grandioser Opener. Hieß das jetzt, dass ich viel zu spät war?

Harm’s Way? Hört sich wirklich so an. Spielen die Jungens wirklich einen meiner Lieblings-16-HP-Songs?


ANKUNFT UND SO...

Vor mir standen Menschen an der Kasse, die offenbar wirklich viel Zeit hatten (ganz anders als ich) – es dauerte seine Zeit, bis sie bezahlten und den Weg in den Klub antraten.

Los! Zackig jetzt! Die spielen doch schon!!!!

Nach Stunden (oooh ja – genauso fühlte es sich an!) betrat ich dann endlich die angestrebte Lokalität :-), in der die wahre beste Band der Welt doch tatsächlich HARM’S WAY zum Besten gab. Ich war entzückt und konnte es gar nicht fassen, dass ich diesen Song wirklich und wahrhaftig live auf die Ohren bekam. Und was mir auch gleich auffiel: das Publikum bestand offensichtlich aus vielen Kennern und gut gelaunten dazu. Davon zeugte nicht nur der immense Applaus nach einer tollen Version von HARM’S WAY; die Atmosphäre war einfach grandios.
  INTO THE PIANO ging über in ein äußerst kraftvolles TIN FINGER und es zeigte sich, dass auch die Mannen von Woven Hand an diesem Abend in bester Spiellaune waren. Ich mag diesen Song sehr (diese a-haa--a-haas zwischen den Textzeilen reißen mich immer wieder vom Hocker!), aber nie hab ich eine so brillante Version davon gehört. Diese melodische Gitarre dazwischen. Phänomenal!
Das Ganze hatte doch etwas Finales an sich: so voller Kraft und Intensität, dass ich schon befürchtete, doch um einiges zu spät eingetroffen und nun schon im letzten Konzertdrittel angelangt zu sein. Das besserte sich nicht wirklich als DIRTY BLUE angestimmt wurde, denn die letzten Jahre war das nicht Lied 3 sondern viel weiter Richtung Ende...damit ich also ein weiteres Highlight auch gut genießen konnte, fragte ich mal eben meine Nachbarin, die mir allerdings bestätigte, dass wir soeben bei Nummer 3 angekommen waren und mein ohnehin schon breites Grinsen bekam noch einen kleinen Zuwachs :-). Vielleicht lag das aber auch an diesem DIRTY BLUE, denn jene Herren dort auf der Bühne gaben sich die größte Mühe, das Publikum vom Hocker zu reißen – ob nun durch die (wie immer) eindringliche Stimme DEEs, mit Hilfe von Pascal Humberts grandiosem Bassspiel, der phänomenal melodisch wabernden Gitarre Peter van Laerhovens, durch die phantastischen Trommelkünste des Ordy Garrison oder eben alles zusammen: es war eine Offenbarung!
(Allmählich dämmert es mir: gleich hab ich alle Adjektive verbraucht und bin erst bei der Hälfte des Konzertes angelangt!) 
Es schien mir – ein bisschen abseits der Bühne (aber mit guter Sicht weil erhöht :-) ) – als ob die Band beinahe mit ebenso viel Enthusiasmus bei der Sache war wie die Zuhörerschaft. Letztere wiederum gab ihr Bestes, erstere zu neuen Höchstleistungen zu treiben – der Applaus war beeindruckend; vor allem nach den bombastischen Versionen von WOODEN BROTHER und WHITE BIRD.
Ich bin mir nicht mehr so ganz sicher, ob das genau zu diesem Zeitpunkt oder kurz darauf war: auf jeden Fall gab es ein Saitenproblem bei DEE...und ein Beginn, der sich verdächtig nach WHISTLING GIRL anhörte, leitete eine kleine Pause ein...
Damit sich alle weiter etwas abkühlen und Kaputtes repariert werden konnte, lauschten wir einem wundervollen SWEDISH PURSE-Medley mit allerlei anderen Songs. Ich glaube, es war einiges von PHYLLIS ANN dabei, aber wovon noch kann ich nicht mehr so genau sagen (ich werd ja auch nicht jünger! :-) ).
Darauf folgte eine Sequenz, die ich nicht kannte (oho – ein neuer Titel oder was so Altes und Rares, dass ich noch nie davon gehört habe?), die aber eindeutig was indianisch Anmutendes hatte und die Vorfreude auf das Kommende schürte. Das Kommende erwies sich als DEERSKIN DOLL, das in einem unglaublich lauten und genialen Finale gipfelte. Spätestens jetzt war das Publikum „unplugged“ mindestens genauso laut wie die „verstärkten“ Musiker, was letztere ganz offensichtlich freute.
Weiter ging es mit TRULY GOLDEN und für mich war nun eindeutig der Zeitpunkt gekommen, mir ein Getränk -und bei der Gelegenheit gleich noch ein neues Shirt- zu organisieren, wofür man dummerweise den Raum verlassen musste. Ich hab mich wirklich gesputet und lauschte noch ganz verzückt der zweiten Hälfte des Songs.
DEE begann mit DOWN IN YON FOREST, bei dem ich jedes Mal hoffe, dass es die Richtung einschlägt wie 2005 in Bonn (das war ganz anders als die Albumversion und unbeschreiblich...grandios!), aber das war wohl ein Unikum. Wie auch immer: YON FOREST ging über in THE SPEAKING HANDS, gefolgt von WINTER SHAKER. Halleluja! Was soll ich sagen, was ich nicht schon vorher zum Besten gegeben habe? Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: wir erlebten vier spielfreudige Musiker auf der Bühne, die gefeiert wurden wegen der sensationellen Performance dieser beiden Stücke. Hach – ich liebe WINTER SHAKER und ich wünschte, meine Kamera hätte auch nur in Ansätzen gute Arbeit geleistet! So bekam ich leider nur unbrauchbares Zeug...:-(

Doch egal.
Die Band hatte die Bühne verlassen, um nur ein Minütchen später diese erneut zu betreten und ELKTOOTH zu kredenzen, obwohl ein besonders hartnäckiger und lauter Fan unbedingt STRAWFOOT hören wollte (was NICHT gespielt wurde!). Zurück zu ELKTOOTH: Tolles Stück, aber ich traute meinen Ohren nicht und auch der Rest des Publikums schien geradezu zu explodieren, als DEE zusammen mit seinem Bandoneon AMERICAN WHEEZE anstimmte. Live und in Farbe! Ich hätte nie und nimmer gedacht, diesen Song jemals wieder live zu hören...spätestens zu diesem Zeitpunkt war auch der letzte Nörgler in den höchsten Höhen der Begeisterung.
YOUR RUSSIA.
Ich liebe und hasse diesen Song: es ist einer meiner TopFive-Live-Favourites, weil es so unglaublich intensiv ist und das Finale so...unbeschreiblich spektakulär...; aber es ist bisher auch immer der letzte Titel aller Konzerte der wahren besten Band der Welt gewesen, in denen ich anwesend war. Deshalb ersehne und bedaure ich jedes Mal, wenn YOUR RUSSIA aus den Boxen schallt...


SETLIST

1.    Harm’s Way
2.    Into The Piano/Tin Finger
3.    Dirty Blue
4.    Wooden Brother
5.    White Bird
6.    Swedish Purse Medley
7.    ? / Deerskin Doll
8.    Truly Golden
9.    Down in Yon Forest/Speaking Hands
10.    Winter Shaker

+++++++

    Elktooth
    American Wheeze
    Your Russia


EPILOG

Was gibt es noch zu sagen?
Nun: es war eindeutig eines der besten Konzerte von WOVEN HAND, das ich je erlebt habe. Allein die Varianten von HARM’S WAY und AMERICAN WHEEZE begeisterten ganz offensichtlich nicht nur mich :-) und die Stimmung sowohl auf als auch vor der Bühne war einfach ausgezeichnet.
Dazu dieses bombastische Set, das unglaublich intensiv und hart und laut und grandios und mitreißend und furios und ... ... ... ...war...
...kurz: einen einfach nur gefangen nahm und wenigstens mich auch noch Tage später nicht loslassen wollte.
Ich hoffe ganz inständig, dass in diesem Jahr noch wenigstens ein weiteres Konzert dieser phänomenalen Band für mich erreichbar sein wird...
...ich hätte noch einiges an Urlaub im November! :-)



back